Am Ende seines Freiwilligenjahres hat Denis diese Zeit wie folgt beschrieben:

Das FSJ in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Solidarischen Hilfe im Alter ist nun vorbei. Die Zeit ging unglaublich schnell und ich bin schon Student. Ich lernte viele Leute kennen, fand eine neue Wohnung, eine neue Arbeit. Ich begann ein neues Leben, aber ASF bleibt in meinem Herz für immer. Was habe während des Jahres erfahren?

Ich erinnere mich, als ich im September 2011 gerade in Deutschland ankam. Alles war so neu und unbekannt. Die ganze neue Welt lag vor mir. Die neue Kultur, Sprache und Traditionen waren so interessant, dass ich mich jeden Tag wunderte. Die Arbeit in Neuengamme gefiel mir wirklich, weil ich die Möglichkeit hatte, etwas Wichtiges zu tun. Ich lernte viele Lebensgeschichten kennen und Zeitzeugengespräche zeigten mir echte Geschichte.

Ende April 2012 habe an der ASF Jahresversammlung in Magdeburg teilgenommen. Viele interessante Menschen mit ihren Meinungen und Geschichten zeigten mir die ganze ASF-Familie. Am letzten Tag in Magdeburg nahm ich an einem „Mini-Sommerlager“ teil. Meine Aufgabe war, die Stolpersteine zu putzen. So holten wir Waschmittel und gingen zu dritt in die Stadt. Jedes Mal, als wir einen Stolperstein putzten, fragten einfache Passanten, was wir machten und wofür. Und jedes Mal erzählten wir über unsere Aktion. Die Magdeburger waren sehr dankbar. Wir putzten insgesamt 50 Stolpersteine und trotz der Erschöpfung waren wir damit zufrieden.

Ich nahm an vielen Veranstaltungen teil. Zum Tag der Befreiung hatten wir Gäste aus der Ukraine und aus Russland – die Männer sind ehemalige Kriegsgefangene. Ihre Erzählungen haben mich sehr beeindruckt, weil es zum ersten Mal in meinem Leben war, dass ich solche Gespräche mit Menschen hatte, die KZ wirklich überlebt haben. Wir verbrachten viel Zeit zusammen. Dem Programm nach hatten wir Stadtrundfahrten, Flussausflüge, Museumsbesuche, Treffen in einer Schule. Ich war glücklich, diese Möglichkeit zu haben.

Ende Mai – Anfang Juni hatten wir die Fahrt nach Polen. Wir waren drei Tage in Auschwitz, die ich niemals vergesse. In Auschwitz-2 hatte ich die Möglichkeit, eine Stunde allein zu spazieren und darüber nachzudenken, was für eine Geschichte dieser Platz hat. Ich ging in eine ehemalige Baracke, um anzugucken wie die Häftlinge lebten. Ein gewaltiges Entsetzen überfiel mich nach fünf Minuten und ich ging sofort raus. Dieses Gefühl blieb noch mehrere Tage bei mir.

Jeden Sommer organisiert der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme eine humanitäre Aktion und unterstützt die ehemaligen Haftlinge mit Finanzen. Den ganzen Sommer bekam ich Dankesbriefe. Das gleiche möchte ich selbst zu Freundeskreis sagen. Sie arbeiten mit großem Herz und das beeindruckt mich sehr.

Einmal pro Woche war ich bei Soli-Hilfe tätig. Ich betreute eine Frau und freue mich daran sehr. Ihr Ehemann ist gestorben, er war Häftling des KZ Neuengamme. Sie erzählte mir vieles aus seinem Leben, alles berührte mich sehr. Ich fühlte selbst alles, was die Menschen dort erlitten, Schmerz und Leiden. Vor dem ersten Treffen mit dieser Frau erfuhr ich von Petra Schondey, dass die Frau darum gebeten hat, dass der Freiwillige ein junger Mann sein sollte (nicht eine Frau).

Zuerst war das ein bisschen komisch für mich, aber sie erzählte über ihre Familie und ich erfuhr, dass ihr Sohn starb, als er noch jung war, und sie benimmt sich manchmal so, als ob ich ihr Sohn bin. Es macht mich besonders verantwortlich. Sie ist eine intelligente, nette und freundliche Dame. Sie teilt mir ihre Lebenserfahrung mit, und es beeindruckt und beeinflusst mich sehr. Ich sollte bei ihr nur ein paar Stunden arbeiten, aber normalerweise blieb ich bei ihr den ganzen Tag.

Ehrlich gesagt, alles, was mit mir passierte, beeinflusst mich sehr. Mein freiwilliger Dienst gibt mir die Antworten fast auf alle meine Fragen, die ich mir früher gestellt habe. Öffentliche Arbeit ist viel wichtiger als Karriere zu machen. Diese Arbeit hilft den Menschen und ist gut für Selbstentwicklung. Ich bin sehr dankbar für die Chance.

Ich liebe Hamburg und halte es für die beste Stadt in der Welt. Wie gesagt, meine Arbeit in Neuengamme ist vorbei und ich habe das Studium in Hamburg angefangen. Aber ich bin Freiwilliger, ich bin ASFler. In meinem Herz. In meiner Seele. Für immer.