Aus der MOPO vom 18.10.14:

Peggy Parnass über ihre Kindheit als Jüdin in Nazi-Deutschland

Autorin Peggy Parnass und Tita do Rago Silva, die das Buch illustrierte. Foto: Michael Marczok/hfr
Autorin Peggy Parnass und Tita do Rago Silva, die das Buch illustrierte.
Foto: Michael Marczok/hfr

„Mutti hat uns zur Bahn gebracht, Hamburger Hauptbahnhof. Seitdem hasse ich den Bahnhof noch mehr als andere Bahnhöfe. Ich kann auch keine Züge sehen, ohne dass mir schlecht wird.“ Es ist das letzte Mal, dass Peggy Parnass ihre Mutter sieht…

Die bekannte Hamburger Autorin schildert in dem neuen Buch „Kindheit“ ihre grausigen Erinnerungen an Nazi-Deutschland.

Parnass’ Eltern wurden im Konzentrationslager Treblinka ermordet. Peggy und ihr kleiner Bruder überlebten nur, weil ihre Mutter sie mit einem Kindertransport nach Stockholm schickte. Zum ersten Mal schildert Peggy Parnass all das 1983 in ihrem Buch „Unter die Haut“. Jetzt ist das Kapitel „Kindheit“ als Neuausgabe erschienen – mit farbigen Illustrationen.

Foto: HFR
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Darin erzählt Parnass, wie sie als jüdisches Kind in ständiger Angst lebte. „Überall stand auf Schildern, was wir nicht durften, und wir haben’s trotzdem getan“: auf einer Bank sitzen, ins Fuhlsbütteler Schwimmbad gehen, Eis schlecken.

1939 fahren die Kinder nach Schweden: Peggy wird von ihrem Bruder getrennt, lebt in zwölf verschiedenen Pflegefamilien. „Ich hatte als Heiligstes alle Briefe und Fotos von Mutti in einem Schuhkarton“, schreibt Parnass. „Alles im Karton habe ich oft am Tag gestreichelt und abgeküsst. Da sagte unser Vormund: ,Du wirst trübsinnig‘ und verbrannte den ganzen Karton und Inhalt.“

Die bewegenden Erinnerungen, die jetzt in „Kindheit“ erschienen sind, sind auch eine Liebeserklärung an Parnass’ Eltern: „Sie haben weder Grab noch Grabstein. Aber jetzt dieses wunderbare Buch.“

Buch: „Kindheit“, Fischer-Verlag, 75 Seiten, 14,99 Euro

Bewegendes Buch von Peggy Parnass