Zum 50. Mal trafen sich gestern ehemals NS-Verfolgte, Freund_innen und Angehörige zum Begegnungscafé. Die Bischöfin Kirsten Fehrs würdigte die Gäste, das Engagement der Veranstalter_innen und beschrieb eindrucksvoll die Atmosphäre als Zusammentreffen der Schwestern Erfahrung und Hoffnung.
Den Zauber der Gitarren erlebten die Gäste beim Spiel von Katharina Hempel und Prof. Klaus Hempel.

Ende 2008 kamen VertreterInnen der Hamburger Stiftung für NS-Verfolgte, des gemeinnützigen Vereins „Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten“, der „Solidarische Hilfe im Alter SHA GmbH, des Seniorenbüros Hamburg und der VVN-BdA Hamburg zusammen, um über die Gründung eines Begegnungscafés für NS-Verfolgte zu beratschlagen. In Köln gab es damals bereits einige Jahre das Erzähl- und Begegnungscafé für NS-Verfolgte, was lag also näher, als Sonja Schlegel vom Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte einzuladen und zu befragen, die das Kölner Erzähl- und Begegnungscafé für NS-Verfolgte seit seiner Gründung begleitet hatte? Sie schilderte, wie es dort immer wieder zu einem offenen Austausch von Erfahrungen kam, wenn hochbetagte Überlebende des NS-Terrors – oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben – über ihr Schicksal in der NS-Zeit berichteten.

Nach mehreren Vorbereitungstreffen war das Konzept klar: Es wurde beschlossen, ein monatliches Begegnungscafé zu veranstalten, und zwar für alle NS-Verfolgten in Hamburg und Umgebung. Das Hamburger Begegnungscafé sollte einmal im Monat im ebenso idyllisch wie zentral gelegenen Seniorencafé der AWO in Planten und Blomen stattfinden. Dort soll es bei Kaffee und Kuchen und nach der Anreise im Sammeltaxi (wenn gewünscht) die Möglichkeit geben, vor und nach einem kurzen Rahmenprogramm miteinander ins Gespräch zu kommen. Es sollten aber auch gemeinsame Exkursionen, Besuche von KZ-Gedenkstätten, Veranstaltungen und Museen angeboten werden.

Das Projekt wird seit seiner Gründung über eine Zuwendung der Hamburger Sozialbehörde gefördert. Das versetzt die Planungsgruppe in die Lage, Exkursionen und Kulturbeiträge ohne Eigenanteil der BesucherInnen zu planen und für den Dezember-Termin eine Weihnachtsfeier mit Kulturprogramm und phantasievollen Geschenken für alle BesucherInnen zu veranstalten.

Nachdem alle AdressatInnen aus den Verteilern der Hamburger Stiftung für NS-Verfolgte und der Solidarischen Hilfe im Alter Einladungen erhalten hatten, waren beide Auftaktveranstaltungen des Begegnungscafés im Mai 2009 sehr gut besucht.

Bis heute sind die Treffen sehr gut besucht. Der Taxizubringer wird nur von einigen wenigen in Anspruch genommen. Exkursionen wie der Besuch der Hamburger Ballinstadt, der Gedenkstätten Bergen Belsen und Neuengamme, des Ferien- und Erholungsheims Heideruh und verschiedenster Ausstellungen erhalten nicht nur zahlreiche Voranmeldungen, sondern werden von den meist hochbetagten TeilnehmerInnen bewundernswert souverän bewältigt, obwohl meist längere und beschwerliche Fußwege unumgänglich sind. Viele der Anregungen für gemeinsame Unternehmungen stammen nicht von der Planungsgruppe, sondern von den BesucherInnen.

Ein besonders geglücktes Charakteristikum des Hamburger Begegnungscafés ist die Verbindung zu interessierten jungen Menschen. Der Verein Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e.V. und die Solidarische Hilfe im Alter SHA GmbH beschäftigten jedes Jahr Freiwillige, meist aus Russland und Belarus. Diese stehen den BesucherInnen auf Wunsch auch außerhalb der Veranstaltungen als unbezahlte Hilfe und Begleitung zur Verfügung. Ebenso bieten die Mitglieder des Vereins Beratung und Hilfe im Umgang mit Behörden und Sozialträgern an.

Sicherlich gibt es einige, die noch keine Einladungen zum Begegnungscafé erhalten. Wenn jemand zu den ehemals NS-Verfolgten oder deren Angehörigen gehört und Interesse hat, am Begegnungscafé teilzunehmen, kann sich an uns wenden.Planten_un_Blomen_Seniorentreff_AWO

Das Begegnungscafé – zum 50. Mal
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