Solidarische Hilfe im Alter SHA GmbH | Ihr Pflegedienst in Hamburg

Vergessene Menschen

Vergessene Menschen

[ 17. November 2005 | Holger Häger | ]

Quelle: Altenpflege 5/2005

Wir danken dem Vincentz-Verlag für die Genehmigung!

Vor genau 60 Jahren befreiten die alliierten Streitkräfte Deutschland vom Faschismus und zehntausende Menschen aus den Konzentrationslagern der Nazis. Etliche von ihnen leben heute hochaltrig in Alten- und Pflegeheimen. Ihnen sollten Pflegekräfte mit besonderer Sensibilität und Sorgfalt begegnen.

VON WILFRIED SCHNEPP

Es ist noch nicht lange her, da berichtete eine in einem Altenheim tätige Krankenschwester über ein Erlebnis mit einem ihrer Bewohner. Sie hatte ihn gebeten, seine Koffer zu packen, schließlich wollte man am nächsten Tag gemeinsam in Urlaub fahren. Der alte Mann tat, worum er gebeten worden war. Er packte seine Koffer – und wartete dann die ganze Nacht wie vor mehr als 60 Jahren darauf, in ein Konzentrationslager (KZ) gebracht zu werden.

Wir können nur erahnen, mit wie viel Angst und Schrecken dieser alte Mann die Nacht verbracht hat. Vermutlich werden andere Kolleginnen und Kollegen in pflegerischen Berufen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Erfahrungen mit Menschen, die Angst davor haben, deportiert zu werden. Erfahrungen mit Menschen, die sich nicht duschen lassen wollen, weil sie denken, sie sollen vergast werden. Aber warum ist das so, nach all dieser langen Zeit?

In diesem Jahr wird der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz vor 60 Jahren gedacht. 60 Jahre sind eine lange Zeit, und die Zahl der Überlebenden der Lager wird von Jahr zu Jahr immer geringer. Warum es neben der gesellschaftlichen und politischen Notwendigkeit des Erinnerns und der historischen Verantwortungsübernahme auch für die Altenpflege erforderlich ist, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, zeigt das oben angeführte Beispiel. Menschen, die in der Zeit des Hitler-Faschismus zwischen 1933 und 1945 aus unterschiedlichsten Gründen verfolgt wurden und daher Opfer des Nationalsozialismus sind, haben spezifische Pflegeprobleme. Dies gilt auch für ihre Nachkommen. Eine beruflich erbrachte Pflege, die den Anspruch hat, professionell zu sein, und die danach strebt, als bedeutsam erlebt zu werden, hat den Auftrag, sich auf die spezifische Situation dieser Menschen einzulassen. Und sich zu fragen: Wer sind die Verfolgten? Warum wurden sie zu Verfolgten? Welche pflegerelevanten Probleme haben sie? Wie könnten wir als Pflegende auf diese Probleme reagieren?